Impuls 04 - Sonnabend, 17.02.2018

Heute werd’ ich... 10 Minuten an einem Ort stehen und schauen, was passiert

Wenn ich daran denke, 10 Minuten an der Bushaltestelle stehen zu m√ľssen, kriege ich schlechte Laune. Ich hasse Busfahren. Ich verbinde es mit Unzuverl√§ssigkeit. Fast immer ist der Bus unp√ľnktlich. Oder kommt gar nicht erst. Dann ist man zu sp√§t oder verpasst den Anschlussbus. Wie oft stand ich zus√§tzliche 10 Minuten an der Haltestelle, ohne zu wissen, ob ich meinen Terminplan einhalten kann. Au√üerdem ist es meist voll, laut und hei√ü im Bus. √úberhaupt ist man mit dem Bus schlicht nicht flexibel. St√§ndig muss ich bei Terminen fr√ľher gehen, damit ich √ľberhaupt noch nach Hause komme. Nein, Bushaltestellen und 10 Minuten einfach so rumstehen...das tue ich andauernd... da kann ich nicht einfach schauen, was passiert. (Meist passiert ja eben nichts). Das macht mich nerv√∂s, ver√§rgert. Klar sitze ich gern mal auf einer Wiese, stehe am Fenster, nehme mir eine Auszeit. Ein paar Minuten die Gedanken schweifen lassen, aufatmen... aber doch bitte dann, wenn ich Zeit habe! Und nicht verabredet bin, zur Vorlesung muss. Und was f√ľr einen christlichen Wert soll ich bitte um 7:23 im nach abgestandenem Zigarettenrauch stinkenden Bushaltestellenh√§uschen bei Schneeregen finden? Okay. Abwarten also, was passiert. Ich gebe zu, das ein oder andere Mal hatte ich ein nettes Gespr√§ch im Bus. Konnte einer alten Dame mit Rollator raushelfen. Manchmal ist der Bus sogar p√ľnktlich. Aber darauf warten? Nat√ľrlich geht das nicht. Mit dem Glauben ist das auch so. Nicht immer fr√∂hlich. Nicht immer kommt einer vorbei, an dem ich meine N√§chstenliebe erweisen kann, nicht immer passiert das, was ich mir gerade w√ľnsche. Glaube ist unbequem. Anstrengend. Kommt manchmal eben nicht zur rechten Zeit. Lenkt den Blick auf das, was man nicht sehen m√∂chte. Hei√üt auch: Regen aushalten. Vielleicht geht es ja in diesen 10 Minuten darum, zu bemerken: Warten, Regen, Unerwartetes geh√∂rt dazu. Und: Ich kann mich daf√ľr entscheiden, schlechte Laune zu haben. Oder die 10 Minuten zu nutzen, um dazustehen. Pause zu machen. Atem zu holen. Einfach da zu sein. Gerade, wenn ich das wirklich nicht gebrauchen kann - tja, dann brauche ich das wohl erst recht.

Während Paulus in Athen wartete...sah er die Stadt voll von Götzenbildern
Apg 17,16

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